Die Legende Von Sankt Nikolaus

Der Ursprung

Die Figur Sankt Nikolaus findet ihren Ursprung in Nikolaus von Myra, dem Bischof von Myra in Kleinasien, auch genannt Nikolaus von Bari. Er ist geboren in Patara, in Kleinasien, zwischen 250 und 270 nach Christus und starb am 6. Dezember des Jahres 345 oder 352 in der Hafenstadt Myra im Süden der heutigen Türkei, wo er als Bischof gewirkt hatte. 

Viele Legenden ranken sich um sein Leben und seine Taten, es ist von seiner sprichwörtlichen Freigiebigkeit die Rede, die ihm das Schutzpatronat vieler Gilden (der Scholaren (fahrenden Schüler oder Studenten), Händler, Seeleute und Bäcker) und vieler Regionen eintrug, darunter Lothringen. 

Die berühmteste Legende besagt, dass er eines Tages drei Kinder wieder zum Leben erweckt haben soll, die ein grausamer Metzger zerstückelt und in seinem Pökelbottich eingesalzen haben soll. Sieben Jahre nach der Tat kam der Heilige Nikolaus in der Gegend vorbei und bat den Metzger, ihm von dem sieben Jahre alten eingesalzenen Fleisch aufzutischen. Von Grauen gepackt flüchtete der Metzger und der Heilige Nikolaus erweckte die Kinder wieder zum Leben. Dieser Anekdote zufolge wurde Sankt Nikolaus der Schutzherr der Schüler und Kleinkinder. 

Von Myra nach Saint Nicolas de Port

Nach seinem Tode wurde der Heilige Nikolaus in einem marmornen Grabmal beigesetzt. Am Kopfende des Sarkophags entsprang eine Quelle mit Salböl, die viele Kranke geheilt hat. Das Salböl versiegte, als der Nachfolger des Heiligen Nikolaus von Neidern von seinem Bischofssitz vertrieben wurde. Sobald dieser wieder seinen Bischofssitz einnahm, spendete die Quelle wieder Salböl. 

Lange Zeit danach wurde die Stadt Myra von den Türken zerstört. Vier Mönche öffneten das Grab einer Gruppe von siebenundvierzig Soldaten aus Bari, die des Weges kamen. Diese nahmen seine Gebeine, die in dem Öl schwammen, und überführten sie im Jahre 1087 nach Bari. Diese Reliquien bewirkten zahlreiche Wunder in Italien. Sie retteten Personen vor dem Tod durch Ertrinken und halfen, verlorene oder entführte Kinder wiederzufinden. 

Einige Jahre später kam ein Lothringer Soldat auf seinem Rückweg vom Kreuzzug durch Bari. Er entwendete einen Finger des Heiligen und brachte ihn nach Saint-Nicolas-de-Port, seine Geburtsstadt, nur wenige Kilometer von Nancy gelegen. Bald wurde diese kleine Stadt ein wichtiger Wallfahrtsort in Lothringen. 

Der heilige Schutzpatron der Lothringer

Im Laufe der Jahrhunderte gingen viele Einzelheiten der Legende verloren, nur die Geschichte mit den Kindern überdauerte. Der für seine Großzügigkeit berühmte Sankt Nikolaus fand Einzug in das kollektive Gedächtnis der Lothringer und wurde im Mittelalter zum Schutzpatron der Kleinkinder, der Schüler und aller Lothringer. 

Seit dem 12. Jahrhundert erzählt man sich, Sankt Nikolaus gehe in der Nacht vom 5. zum 6. Dezember verkleidet von Haus zu Haus um die Kinder zu fragen, ob sie auch schön brav waren. Die braven Kinder erhalten Geschenke und Leckereien, während die bösen Kinder eine Rute von Knecht Ruprecht (französisch: Père Fouettard) bekommen. 

Das Sankt Nikolaus-Fest

Der Nikolaustag ist für alle kleinen Lothringer ein Anlass für Geschenke, genau drei Wochen, bevor der Weihnachtsmann zum Kamin hereinschaut. Jedes Jahr besuchen Sankt Nikolaus und Knecht Ruprecht auch die Schulen und verteilen Lebkuchen und Orangen. 

Am Abend des 5. Dezember stellen die Kinder ihre Schuhe vor den Kamin oder die Haustür mit Zucker, Milch und einer Mohrrübe für den Maulesel, auf dem der Heilige Nikolaus reitet. Brave Kinder entdecken am Morgen des 6. Dezember eine Vielfalt an Leckereien, Zuckerwerk und Geschenken, die der Heilige Nikolaus für sie abgestellt hat. Der Maulesel hat die Mohrrübe verspeist und der Heilige Nikolaus hat das Glas Milch, oder Wein, ausgetrunken, das ihm die Kinder hingestellt haben. Waren sie aber nicht brav, müssen sie sich vor der Rute von Knecht Ruprecht in Acht nehmen... einem derben Gesellen mit geschwärztem Gesicht, der den Heiligen Nikolaus seit dem 16. Jahrhundert begleitet. Die Legende besagt, er sei in Metz im Jahre 1552 geboren, während der Belagerung der Stadt durch die Truppen von Karl dem V. Die Einwohner trugen das Bild des Kaisers durch die Straßen der Stadt und verbrannten sie dann feierlich. So sagt man, Knecht Ruprecht sei Karl der V. 

Jedes Jahr am 6. Dezember wandert Sankt Nikolaus durch die Städte Lothringens, angekündigt durch sein Abbild aus Lebkuchen und Schokolade, das in allen Konfiserien und Konditoreien zu finden ist. Er wird als liebenswerter alter Mann oder als würdiger Bischof mit Bischofsmütze und Krummstab dargestellt, entweder beim Verteilen von Leckereien an Kinder oder bei der Übergabe der Schlüssel der Stadt durch den Bürgermeister. Seine Ankunft wird mit Prachtwagen, erlesenen Umzügen und Feuerwerk gefeiert. 

Sankt Nikolaus wird nicht nur in Ostfrankreich (Lothringen und Elsass) sondern auch in Nordfrankreich, Belgien, Deutschland, Österreich und in den Niederlanden gefeiert. 

Die Nähe der Basilika von Saint Nicolas de Port und die historische Vergangenheit von Nancy, Hauptstadt der Herzöge von Lothringen, machen die Sankt Nikolaus-Feierlichkeiten zu einem bedeutenden Höhepunkt dieser jahrtausendealten Tradition.

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