Nancy, eine Stadt mit Hauptstadt-Flair

Seit 1.000 Jahren ist Nancy ein Schauplatz der wechselnden Geschicke der europäischen und der französischen Geschichte. Diese Stellung hat Nancy zu einer Hauptstadt mit Prachtbauten und einem humanistischen Geist geformt, die den Stolz ihrer Einwohner und die Bewunderung ihrer Besucher hervorrufen.

Im 11. Jahrhundert beschloss der Lothringer Herzog Gerhard von Elsass, hier eine Etappe auf seiner Reise von Metz nach Saint-Nicolas-de-Port zu schaffen. Trotz naturgegebener Schwierigkeiten (in einem Talkessel mit Überschwemmungen und Sümpfen) ließ er einen befestigten Dorfflecken im heutigen Viertel St-Epvre errichten. Nancy war geboren.

Der zweite Gründungsakt erfolgte mehrere Jahrhunderte später, als im Winter 1477 die Geschichte Europas in Nancy eine beachtliche Umwälzung erfuhr. Die Lothringer und Burgunder lieferten sich in der Stadt eine Schlacht, die den Einwohnern so sehr zusetzte, dass sie die Dächer ihrer Behausungen verheizen mussten, um sich warm zu halten. Nancy wurde bei dieser tragischen Schlacht zerstört, aber das Herzogtum war gerettet, die Unabhängigkeit wurde erlangt und die Stadt wurde sich ihrer Identität bewusst. Der Herzog René II verlieh Nancy neuen Schwung. Am Stadtrand entstanden Vororte. Durch strategische Bündnisse gelangte die Stadt in das Kräftefeld der europäischen Politik.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde das städtische Umfeld durch Karl III. von Lothringen verändert, der im Süden der Altstadt eine Neustadt errichten ließ, um dem Verteidigungsbedarf und der wachsenden Bevölkerung zu entsprechen. Nancy wurde zu einer modernen Stadt mit einer Fläche von 77 Hektar. Gleichzeitig errichtete sie ihren Herzogenpalast, die Minoritenkirche (Église des Cordeliers) und der Neustadt.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts nahm im Zuge des Ausbaus der Straßenverbindungen auch die Handelsaktivität zu. Leopold von Lothringen initiierte eine Verschönerungspolitik.

Stanislas Leszczynski, der Schwiegervater des Königs von Frankreich und Herzog von Lothringen, führte eine weitere Metamorphose der Stadt herbei. Er schenkte Nancy das majestätische Ensemble im Stil des 18. Jahrhunderts, die Universität, die Bibliothek und initiierte eine Vorliebe für die Künste und Wissenschaftsgesellschaften, die das heutige Prestige der Stadt ausmachen. Nach seinem Tod im Jahre 1766 wurde Nancy dem Königreich Frankreich angegliedert.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte die Stadt eine weitere Veränderung ihres Angesichts. Die Niederlage von 1870, gefolgt von der Annexion von Elsass-Lothringen (eigentlich: der Mosel), führte eine weitere bestimmende Wendung herbei. Nach dem Verlust von Elsass und Mosel erfuhr die an vorderster Front gelegene Stadt Nancy einen starken Zulauf an Flüchtlingen, Migranten, Menschen, die sich für die französische Staatsbürgerschaft entschieden hatten, von Bauern und all denjenigen, die sich weigern, die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen. Die nun zur Grenzstadt gewordene Stadt Nancy war nicht nur ein strategischer Punkt sondern wurde auch zum Schaufenster Frankreichs gegenüber Deutschland. Es entwickelten sich Industrie, Handel sowie das Bank- und Hochschulwesen. Der Städtebau entwickelte sich explosionsartig. Östlich des Kanals wurde ein Industriegebiet geschaffen, im Westen entstanden neue Stadtviertel entlang der Schienenwege. Die Bevölkerung verdoppelte sich. 1910 erreichte sie die Marke der 120.000 Einwohner, eine seit der Stadtgründung bislang unerreichte Einwohnerzahl. Der Komplex Nancy Thermal wurde errichtet. Der Jugendstil verbreitete sich explosionsartig. Nancy wurde zu einer französischen Großstadt mit patriotischer und republikanischer Gesinnung, pulsierendem Stadtleben und beseelt von Schöpfergeist.

Heute liegt Nancy im Herzen der Métropole du Grand Nancy mit ihren über 250.000 Einwohnern.

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